Passeig de Gràcia „premium“

Die meisten Touristen, die teuersten Geschäfte, die edelsten Restaurants. Doch damit nicht genug. Der Passeig de Gràcia wird rundum saniert. Diese Woche haben die Bauarbeiten des Fünf-Millionen-Projekts begonnen. Ein Preis der Superlative.

Auf den ersten Blick scheint auf dem Passeig de Gràcia alles perfekt zu laufen. Der Boulevard führt als Verlängerung der Ramblas durch die Stadtmitte Barcelonas, viele Bäume, Palais und Gaudí-Bauwerke säumen den Rand des breiten Fußweges. Shopping, Busse, 4-Sterne-Hotels. Und doch hält der Oberbürgermeister Barcelonas, Xavier Trias, es für nötig, fünf Millionen Euro für eine Sanierung der Straße auszugeben. Er möchte einen Passeig de Gràcia „premium“, wie er sagt.

Dafür werden nun alle Glühbirnen der Straßenlaternen durch LED-Lampen ersetzt, Gullis erneuert, Sitzbänke repariert, Bäume zugeschnitten und Pflastersteine ausgetauscht. Die mit einem Muster Gaudís verzierten Pflastersteine sollen außerdem besonders im Boden befestigt werden. Denn in letzter Zeit sind immer mehr Touristen auf die Idee gekommen, sich eine solche Fliese als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Löcher im Gehweg – ein Unding für den „Premium“-Boulevard. Bei der Gelegenheit werden auch schnellere Internet-Leitungen verlegt und die Brunnen gereinigt. Außerdem verschwindet die blaue Parkzone des Passeig de Gràcia und macht Platz für Motorräder, Bushaltestellen und Hotelanfahrten.

Die Ladenbesitzer der Straße freuen sich, ebenso sprachen sich Tourismusbehörden und Gastronomen positiv aus. Kritik hagelt es jedoch von Seiten der Opposition im Stadtrat. Zu teuer sei das Projekt, zu klein die Verbesserung. Vor allem aber hätten andere Stadtviertel eine Sanierung der Straßen dingender nötig, als der Passeig de Gràcia.