Die unsichtbare Handball-WM

Handball WM 2013Warum wurde auf Fraubarcelona eigentlich noch nicht über die Handball-WM berichtet? Nun, weil sie kaum auffällt. Seit Beginn der WM finden auch Spiele in Barcelona statt, auch die deutsche Mannschaft hat im Palau Sant Jordi gespielt. Und trotzdem wird die WM im eigenen Lande in dieser Stadt weitgehend ignoriert. Erklärungsversuche:

  1. Ist das wirklich eine WM im eigenen Lande?
    Die Unabhängigkeitskämpfer Kataloniens tun im Moment alles dafür, um das Gegenteil zu beweisen. Der politische Machtkampf zwischen den katalanischen Separatisten und den Zentralspaniern wirkt sich auch auf den Sport aus. In der Hauptstadt der Bewegung, Barcelona, werden keine spanischen Flaggen an Balkonen gehisst, sondern katalanische. In der Presse wird betont, dass die Hälfte der Handball-Nationalmannschaft sowieso Katalanen sind. Als Spanier getarnte Katalanen – das geht im Moment gar nicht. Eine Zeitung forderte katalanische Handballfans sogar auf, im Stadion Sprechchöre der „Independència“ anzustimmen.
  2. Fußball ist wichtiger.
    Nach Fußball kommt im spanischen Sport lange nichts. Dann Basketball. Dann Formel1 und Motorsport. Und dann irgendwann Handball. Diese Woche waren Fußballspiele des Copa del Rey. Titelseite Sport 26. Januar 2013Da war in den Kneipen was los, als sich der FC Barcelona für das Halbfinale qualifizierte. Es steht ein Clásico gegen Real Madrid an. Emotionen pur auf den Straßen der Innenstadt. Ach, Spanien ist im Finale der Handball-WM? Läuft so nebenher. Viel wichtiger der Skandal um Mourinho, der „hoffentlich bald gefeuert wird“. Aber ganz unten auf der Titelseite der Sportzeitung „Sport“ aus Barcelona, da wird dann doch Handball erwähnt.
  3. Die Medien sind schuld.
    Jetzt, wo Spanien im Finale steht, ist der Erfolg der Handballmannschaft zumindest den ein oder anderen Artikel wert. Aber im Vorfeld und zu Beginn der WM wurde das Thema von den Medien erfolgreich ignoriert. Wenn, dann fand sie in Sportzeitungen Erwähnung, in den Leitmedien wie El País, El Mundo oder TVE ist Handball keine Nachricht wert. Immerhin überträgt das öffentlich-rechtliche Fernsehen RTVE alle Spiele der spanischen Mannschaft live. Das wars aber auch schon.
  4. Zu viele Touristen in der Stadt.
    Barcelona ist eine der beliebtesten Städte für Tourismus weltweit. Da fällt der ein oder andere Handballfan, der extra zur WM angereist ist, gar nicht auf. Auch jetzt im Winter ist die Ramla nachts voll grölender Touristen, egal ob sie Handball-Fangesänge anstimmen oder Lady Gaga. Die Stadt ist an Ausländer gewöhnt, das macht sie so kosmopolitisch attraktiv. Nicht nur zur Handball-WM.
  5. Spiele zu unspanischen Zeiten.
    Okay, zum Finale mit der der halb-katalanischen spanischen Heimmannschaft könnte sich dann doch der ein oder andere sportbegeisterte Barceloner in eine Bar begeben und das Spiel mit ein paar Freunden ansehen. Danach wird die Weltmeisterschaft dann bei Tapas und Cerveza gefeiert. Was? Das Spiel beginnt schon um 17:15? Da ist es ja noch hell und das Abendessen um 22 Uhr in weiter Ferne! Wer hat sich diese unspanischen Zeiten bloß ausgedacht?