Spotted: Barcelona = El Informer

Xavier ist hin und weg: „me he enamorado de la chica que jugaba al fútbol esta tarde en el campo q ai al lao de la villa, te quiero conocer preciosa.“ Er muss unbedingt herausfinden, wer dieses wunderschöne Mädchen ist, das am Nachmittag auf dem Platz neben dem Wohnheim Fußball gespielt hat. Zum Glück gibt es da jetzt Hilfe auf Facebook…

Was an deutschen Unis die „Spotted“-Seiten, heißt in Spanien „El Informer“. Im Januar gelangte der Trend der neuen Plattform für anonyme Nachrichten nach Barcelona. Die erfolgreichste „Informer“-Seite Barcelonas heißt „El Informer de la UAB“ und zählt innerhalb von nur zwei Wochen fast 13.000 Fans auf Facebook. Vier Studentinnen der Universitàt Autònoma de Barcelona (UAB) haben die „Informer“-Seite gegründet und für die Fans am Wochenende eine Party in einer der größten Discotheken der Stadt organisiert.

Das Prinzip des „Informers“ ist das gleiche wie bei „Spotted“: Der frisch verliebte Xavier schickt seinen Kommentar den Betreiberinnen der „Informer de la UAB“-Seite und die posten den Text dann anonym und für alle sichtbar. Bei fast 13.000 Fans ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass jemand die hübsche Fußballerin kennt und ihm den Kontakt vermitteln kann oder sich die junge Dame sogar selbst angesprochen fühlt und zurückschreibt. Vielleicht treffen sie sich ja auch auf der Party am Wochenende.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Täglich werden neue „Informer“-Seiten gegründet. Jede Uni Barcelonas, viele Bibliotheken, einzelne Stadtviertel, bestimmte Lokale und Discotheken haben bereits ihren eigenen „Informer“. Die Marke „Spotted“ zieht in Spanien dagegen schlecht: „Spotted: UAB“ hat weniger als zehn Fans und „Spotted: Barcelona“ noch gar keine. Nur die „Informer“ boomen. Extra Internetseiten wie informer.cat oder uinformer.com verwandeln den Facebook-Trend in ein Geschäftsmodell und bauen eigene Netzwerke mit zehntausenden Nutzern auf. Und das innerhalb von nur zwei Wochen. Doch der Hype, der ursprünglich aus dem angelsächsischem Raum kommt, wird längst nicht mehr nur zum Flirten genutzt.

Inzwischen sind sechs Anzeigen wegen Beleidigung bei der Polizei Barcelonas eingegangen. Mobbing, Stalking, Flüche und Beschimpfungen werden immer häufiger auf dem „Informer“ gepostet. Datenschützer sowie Polizei appellieren an die Seitenbetreiber, die Kommentare stärker zu selektionieren. Aber auch als Wohnungsmarkt, Telefonauskunft und Werbeplattform wird der „Informer“ inzwischen genutzt.

Unter anderem folgende Fragen wurden auf dem „Informer de la UAB“ bereits diskutiert: Wie gestalte ich einen Lebenslauf? Wer außer mir studiert nächstes Semester in Marburg Erasmus? Sind gerade viele Leute in der Bibliothek der Politikwissenschaft? Ich bin ein Kondom und möchte wissen, in welche Tonne ich gehöre („Estic envàs?“)! Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Xavier wurde bereits von drei Studentinnen angeschrieben, die angeblich am Nachmittag Fußball gespielt haben und ihn kennenlernen möchten. Vielleicht stimmt aber auch der folgende Kommentar zu seinem Post: „Tiene novio.“