Karneval in Sitges statt Barcelona

Drei Hausfrauen im Stil der Siebziger, schwarzer Bob, gepunktetes Kleid. Das Kostüm des Jahres 2013 in Katalonien ist definitiv „Envàs on vas“. In Anlehnung an den gleichnamigen Werbespot zur richtigen Mülltrennung ziehen derzeit viele Dreier-Grüppchen umher und singen das Lied aus der Werbung (Männer, Frauen, Kinder – ganz egal). Noch bis Dienstag wird auch in Barcelona „Carnaval“ gefeiert.

Echte Jecken machen sich in der fünften Jahreszeit nach Sitges auf – die Hauptstadt des Karnevals in Katalonien. Der idyllische Badeort ist nur 15 Kilometer von Barcelona entfernt und bietet kilometerlange Karnevalsumzüge mit hunderten Wägen. Vor allem am Sonntag und Faschingsdienstag strömen tausende Verkleidete nach Sitges, das auch für seine ausgeprägte Schwulen- und Lesbenszene bekannt ist. Die Faschingsgesellschaften tanzen zu Sambarythmen und Gangnam-Style durch die Straßen, die Gäste durch die Bars und Discotheken. Eine Gruppe trägt sogar ein Kostüm, das der bayerischen Tracht ähnelt. Konfetti ja, Bonbons nein, Hauptsache viel Alkohol und viel Spaß. Selbst kleine Dörfer verwandeln sich an diesem Wochenende tagsüber in einen bunten Kinderspielplatz und nachts in eine feuchtfröhliche Partymeile.

Der große Karnevalsumzug in Barcelona am Sonntag verlief dagegen enttäuschend. Nur knapp 3.000 Personen sahen den Faschingskönig „Rei Carnestoltes“ und mit seinen Prinzen und geschmückten Wägen durch die Straßen ziehen – die meisten von ihnen nicht einmal verkleidet. Immerhin viele Kinder hatten Kostüme an und für die Disco machten sich auch die meisten Jugendlichen mit Perücke oder Hut chic. Je älter die Beteiligten, desto weniger Jeck steckt allerdings in den Barcelonern, so scheint es. Die Faschingsfans sind wohl alle nach Sitges gefahren.

Der traditionelle Carnaval beginnt in Katalonien mit dem „Dijous gras“ (fettiger Donnerstag), an dem getreu dem Motto die besonders fettige Wurst „Botifarra“ und die mit Griebenschmalz gebackene Süßigkeit „Coca de Llardons“ gegessen wird. Von Samstag bis Faschingsdienstag finden dann Mottopartys und Umzüge statt. Zum Abschluss stirbt am Aschermittwoch mit dem Fasching symbolisch auch der Faschingskönig und danach wird die Sardine begraben – schließlich darf in der Fastenzeit nur noch Fisch gegessen werden.