Geflochtene weiße Palmblätter

Palmsonntag 2013 in BarcelonaÜber ein Jahr lang wachsen die Palmblätter ohne Sonnenlicht. Im Inneren von oben zusammengebundenen Palmen. Wenn sie kurz vor Palmsonntag dann geerntet werden, sind sie weiß, weich und schmal. In stundenlanger Arbeit werden sie von flinken Händen geflochten, immer wieder befeuchtet, eingedreht und verknotet.

Am Palmsonntag, domingo de ramos, kommen sie dann endlich zum Einsatz: Stolz wedeln Kinder vor Kirchen und Kathedralen mit ihnen, in Barcelona und ganz Spanien. Sie haben ihre Palmwedel, palmas, mit bunten Bändern und Süßigkeiten geschmückt. Ein alter katholischer Brauch in Spanien. Kein palma ist wie der andere. Manche messen nur 10 Zentimeter, andere über einen Meter. Erzbischof Lluís Martínez Sistach und die anderen Pfarrer vor der Kathedrale Barcelonas tragen ganz besondere Exemplare: Bündel von zwei Meter langen Palmblättern, nicht geflochten, sondern mit einem breiten Band umschlungen.

Zur Geschichte von Jesus Einzug in Jerusalem rascheln dann auf dem Vorplatz der Kathedrale die Blätter. Manche Besucher haben auch Olivenzweige oder andere grüne Blätter dabei. Wer mit leeren Händen kam, dem verkaufen die Zigeunerfrauen, die in der Menge herumwuseln, für einen Euro undefinierbares Grünzeug und Miniaturen der Palmas. Zum Einzug in die Kirche tauchen die Besucher ihre Zweige dann in das Weihwasserbecken. Es soll Glück bringen, wenn man sie zuhause auf dem Balkon oder im Zimmer aufhängt.