Sant Jordi und der Drache

Geschichte Sant JordiEs war einmal vor vielen, vielen Jahren in Montblanc als ein Drache die Bewohner in Angst und Schrecken versetzte. Denn der Drache war riesig und sehr hungrig und fraß alles auf, was in seine Nähe kam.

Die Bewohner dachten, dass sie den Drachen vielleicht besänftigen könnten, wenn sie ihm täglich ein Tier zum Fressen opfern. Vielleicht würde er ja dann keine Menschen mehr fressen. Aber der Drache hatte noch mehr Hunger und bald waren keine Schafe, keine Kühe, keine Schweine und keine Ziegen mehr übrig. Auch alle Hasen und Hühner hatte der Drache schon gefressen.

Und was beschlossen die Bewohner von Montblanc dann? Sie beschlossen, den Drachen jeden Tag mit einem Mädchen zu füttern. Jeden Tag wurde ein Mädchen ausgelost, das dem schlimmen Tier geopfert wurde. Das gefiel dem Drachen, denn die Mädchen waren zart und lecker.

Eines Tages fiel das Los auf die Tochter des Königs. Das freute den Drachen sehr, denn die Prinzessin war sehr hübsch, jung und bestimmt lecker. Es machte den König sehr traurig, weil er seine Tochter über alles liebte. Er weinte den ganzen Tag. Aber das Gesetz galt auch für ihn, die Prinzessin musste geopfert werden.

Als der Abend gekommen war, brachten sie die Prinzessin auf den Berg, wo der Drache wohnte. Dem Drachen lief schon das Wasser im Munde zusammen. Da plötzlich hörte man einen Reiter herbei galoppieren.

Es war ein Ritter mit Lanze auf einem weißen Pferd. Der Drache wurde sehr wütend und spuckte eine große Flamme Feuer. Aber der Reiter hatte keine Angst und stieß dem Drachen die Lanze in den Hals. Der Drache fiel zu Boden und war tot.

„Wer ist dieser Ritter?“, fragten sich alle. „Ich heiße Jordi und bin da, um euch zu helfen“, antwortete der junge Mann höflich. Und alle riefen: „Hoch lebe Jordi!“

Dann staunten sie: Aus dem Blut des Drachen wuchsen Rosen, wunderschön und so rot wie Blut. Jordi pflückte eine und schenkte sie der Prinzessin. Alle Leute klatschten und riefen: „Hoch lebe die Liebe!“

Der König bat den Ritter, in Montblanc zu bleiben. Aber Jordi musste weiterziehen, um Frieden und Freiheit in die Welt zu bringen. Und seit jenem Tag wächst an der Stelle, wo der Drache gestorben ist, jedes Jahr am 23. April ein Strauch blutroter Rosen. Und die Menschen erinnern sich an den mutigen Jordi und schenken ihren Liebsten an diesem Tag eine Rose.

Das ist die Geschichte vom Drachen und Sant Jordi, dem Heiligen Georg, der fortan der Schutzheilige Kataloniens und der Liebenden sein sollte.