Stück für Stück Glück

Ihre Hände verwandeln Scherben in Kunst. Petra Frei hat sich in Barcelona mit einer Mosaikwerkstatt selbstständig gemacht. Fraubarcelona war einen Tag lang in der bunten Welt der Mosaike dabei.

Smalti-Workshop in der Mosaikwerkstatt Trozo x Trozo.

Smalti-Workshop in der Mosaikwerkstatt Trozo x Trozo.

Kobaltblau, Mittelblau, Dunkelblau. Eine Glasplatte nach der anderen hält Petra an die Stelle, die einmal das Auge eines Schmetterlingsflügels werden soll. Zwischen der pastellgelben Murmel im Zentrum und den kaminroten Smaltisteinen am Rande des Flügels sind noch zwei Zentimeter Platz. „Ich weiß nicht“, sagt Cristina und hebt die taschenbuchgroße Holzplatte mit dem angefangenen Mosaik etwas an. Lichtspiegelungen huschen über das Werk. Die beiden Frauen lehnen sich etwas zurück. „Ich glaube, Kobaltblau ist am besten“, rät Petra der Hobbykünstlerin. „Schau mal, wie schön die Farben zusammen strahlen“, sagt sie und strahlt dabei selbst über das ganze Gesicht.

Petra Frei (links) und die große Smalti-Farbpalette.

Petra Frei (links) und die große Smalti-Farbpalette.

Vor allem bei der großen Auswahl an Farben muss Petra Frei heute immer wieder behilflich sein. Am zweiten Tag des Smalti-Workshops in ihrer Mosaikwerkstatt geht es bei den begonnenen Werken um Details. Mit einer der fünf Teilnehmerinnen berät sie das Muster des Hintergrunds, der nächsten zeichnet sie eine Bleistiftlinie zur Orientierung auf die Holzplatte, wieder eine andere unterstützt sie bei der Suche nach einem Glassplitter für eine drei Millimeter große Lücke im Motiv. Petra lacht viel und spricht ihren Schülerinnen gut zu. „Man kann alles irgendwie umsetzen“, sagt sie. Die Vielfalt des Mosaik Legens hat sie von Anfang an begeistert.

Vor zwölf Jahren fasste Petra den Entschluss, eine Ausbildung zur Mosaizistin zu beginnen. Damals war sie gerade erst mit ihrer Familie von München nach Barcelona gezogen. „Ich hatte damals viel Zeit und habe was für die Hände gesucht“, erzählt die heute 47-Jährige. Während ihr Mann in der Arbeit und die beiden Kinder in der Schule waren, erkundete Petra Barcelona, wo sie die vielen Mosaike, unter anderem von Antoni Gaudí, faszinierten. „Hier ist alles so lebendig, so bunt, so kreativ. Da wusste ich: das will ich auch machen.“ Innerhalb von zwei Jahren absolvierte die gelernte Einzelhandelskauffrau ihre künstlerische Ausbildung in Barcelona und Venedig. Gab erste Mosaikkurse für Schüler, eröffnete eine eigene Werkstatt und vertreibt inzwischen sogar selbst Smalti als Material für Mosaizisten auf der ganzen Welt. „Trozo x trozo“, Stück für Stück, heißt ihr Unternehmen und getreu diesen Mottos wächst ihr neues Glück in Barcelona immer weiter.

Barcelona. Eines der Kunstwerke mit Smalti Veneciano von Petra Frei.

Barcelona. Eines der Kunstwerke mit Smalti Veneciano von Petra Frei.

Magnete mit eingearbeiteten Muscheln, Lampenschirme mit transparenten Glasscherben, ein Dalí-Portrait als Mosaik. Auf den Regalen entlang der Wände in ihrer Werkstatt stehen die gesammelten Werke wie Trophäen. Zu jeder weiß Petra eine Geschichte, erinnert sich an ihre Künstler und die vielen Arbeitsstunden. „Ich bin eigentlich den ganzen Tag hier in der Werkstatt, gebe mein Wissen weiter und lerne auch selbst immer weiter dazu“, sagt sie. Nebenbei arbeitet Petra an ihren eigenen Werken. Zum Beispiel hat sie für das deutsche Konsulat in Barcelona die Silhouette Barcelonas und Berlins als Mosaik gelegt und gestaltet im Wiener Glasmuseum das größte Glasmosaik Europas mit.

Es poltert dumpf. In einer Ecke der Werkstatt wuchten Petras Ehemann Roberto und Sohn Domenico Plastikkisten umher. Nur so groß wie Schuhschachteln, aber fast so schwer wie Bierkisten. Drei Kilo kastanienbraune Smalti Veneciano, fünf Kilo magentafarbene. Sie sortieren die neue Lieferung auf die Stapel mit dem übrigen Material. „Wo ist das Weiß?“ „Keine Ahnung, frag mal Mama!“ 268 Farbtöne lagern in Petras Werkstatt und werden in gemeinsamer Arbeit der Familie verwaltet und vertrieben. Auch spezielles Glas von kleineren italienischen Herstellern ist dabei. Zur Zeit ist ein Webshop in Arbeit, Roberto kümmert sich um professionelle Internetseiten und Fotos. Petra stellt die Kiste mit den weißen Smaltis auf der Waage ab. „Die hab ich vorhin gebraucht.“

Smalti Veneciano.

Smalti Veneciano.

Am großen Tisch in der Mitte basteln die fünf Frauen an ihren Smalti-Projekten, hämmern, kleben, plaudern. Nicht nur über Farben und Zement, sondern auch über die Familie und Beruf. Spanische und deutsche Sätze mischen sich, Petra erklärt mal so, mal so. Im Hintergrund dudelt das Radio. „Hacke den Smalti lieber, statt ihn zu schneiden.“ Petra reicht Cristina einen Hammer. Sie rückt den kobaltblauen Glasstein auf der Zeitungsunterlage zurecht. Der Hammer saust herunter und teilt das Quadrat in zwei Dreiecke. Wie Kuchenstücke fügen sie sich zum Schmetterlingsauge zusammen. Die beiden Künstlerinnen strahlen sich an. „Das passt auch super zu deinem Schmetterling aus dem letzten Workshop“, sagt Petra. „Ja, und ich möchte noch einen dritten machen. Du hast mich mit deinem Mosaik-Fieber angesteckt.“

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Nähere Informationen zu Petra Frei’s Mosaikwerkstatt unter: www.trozo-x-trozo.es. Fotos: Trozo x Trozo.

Berlin und Barcelona in einem Kunstwerk vereint. Die Bildabschnitte lassen sich nach Belieben drehen.

Berlin und Barcelona in einem Kunstwerk vereint. Die Bildabschnitte lassen sich nach Belieben drehen.

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