Nach einem Monat Protest: Studenten räumen das Rektorat

Gleichgültigkeit ist das Laster der Geschichte.

„Gleichgültigkeit ist das Laster der Geschichte.“

Schaden im Wert von 500.000 Euro. Zuletzt wurde der Studentenprotest an der Universitat Autònoma de Barcelona immer radikaler. Nur das Rektorat einen Monat lang zu besetzen reichte den Studenten nicht mehr. Von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche sperrten sie das Verwaltungsgebäude der Uni komplett und zwangen die Mitarbeiter, in andere Räume auszuweichen. Schließlich schaltete der Direktor doch die Polizei ein. Am Freitag Mittag haben die Studenten nun das Rektorat geräumt. „Der Klügere gibt nach“, sagt Studentin Laura Gené, die von Anfang an beim Protest dabei war.

Aber war dieser Protest wirklich klug? Steigende Studiengebühren, weniger Lehrangebote und nachlassender Service an den Unis treiben die Studenten Spaniens seit Monaten zu Protesten an. Die UAB in Barcelona ist bekannt für besonders plakative und teils gewaltsame Aktionen. Es vergeht kein Protest ohne brennende Mülltonnen oder eine Autobahnsperre durch Studenten. Vor einem Monat dann die symbolische Hinrichtung Rajoys und die Besetzung des Rektorats (Fraubarcelona berichtete). So wollten die Studenten den Direktor zwingen, ihnen mehr Mitspracherecht zu geben und die Qualität der Lehre besser zu verteidigen.

Schlafsäcke, Zelte, Gaskocher. Sie richteten sich häuslich vor dem Rektorat in Bellaterra ein. Ein Team kümmerte sich um Essen, ein anderes um Plakate, wieder andere formulierten die Ordnung der Universität um. Fußballturniere, Vorlesungen vor dem Rektorat und Lerngruppen wurden organisiert – ein Leben auf dem Campus begann. Der Direktor wich in ein anderes Büro aus, blockte den Dialog ab. Er tue bereits alles, was in seiner Macht stehe. Die Vizedirektorin verhandelte. Ohne Erfolg. Auch wenn es zum Teil „nur“ 10 Studenten waren, die dort übernachteten: Der Protest hielt einen ganzen Monat lang an.

Komplette Sperre. Seit Dienstag ließ die Protestgruppe dann gar niemanden mehr ins Verwaltungsgebäude. Sie verbarrikadierten sämtliche Eingänge. Immer mehr Botschaften schmierten sie an die Wände und erreichten doch überhaupt nichts. Inzwischen gab es sogar schon eine Gegendemo von anderen Studenten der UAB, die die Räumung des Rektorats forderten. Und schließlich rückten die Mossos an. Warum der Direktor die katalanische Polizei nicht schon früher eingeschaltet hat, bleibt unklar. Jedenfalls waren die Studenten gezwungen, am Freitag Mittag das Gebäude zu räumen. Gegen einige von ihnen soll Anzeige erstattet werden.

Eines haben die Studenten mit ihrer Besetzung erreicht: Aufmerksamkeit. Immer wieder berichtete die katalanische Presse über den Protest und er fand zeitweise sogar Nachahmer an anderen Universitäten Barcelonas. Am Ende bleiben jedoch vor allem Sachbeschädigung und Zweifel. Laut Angaben des Direktor kostet der Protest die Uni ca. 500.000 Euro. Und das in Zeiten von Sparmaßnahmen. Die Universitätsordnung wurde nicht geändert, den Studenten nur teilweise Mitspracherecht versprochen. „Wir haben eingesehen, dass wir im Moment so nicht weiterkommen“, sagt Laura Gené. „Aber wir werden weiter für unsere Rechte kämpfen.“